Rede zu Ehren der Jubilare der IG Metall Freudenstadt
Liebe Jubilarinnen, liebe Jubilare, Ich grüße euch herzlich und freue mich, dass wir heute dieses besondere Jubiläum gemeinsam verbringen können. Denn heute ist ein besonderer Tag. Ein Tag des Respekts. Ein Tag der Anerkennung. Und vor allem: ein Tag der Geschichte – eurer Geschichte. 75,70,60 50, 40 und 25 Jahre Mitgliedschaft in der IG Metall. Das sind keine bloßen Zahlen. Das sind Jahrzehnte voller Haltung, Verantwortung, Zusammenhalt und Treue zu eurer IG Metall Wer 75 Jahre dabei ist, hat erlebt, wie aus den Trümmern der Nachkriegszeit eine starke Industrie und eine starke Gewerkschaft entstanden sind. Wer 70 Jahre dabei ist, erlebte große gewerkschaftliche Meilensteine in der deutschen Arbeiterbewegung - tarifpolitisch wie gesellschaftspolitisch. Wer 60 oder 50 Jahre dabei ist, hat mitgekämpft: für Mitbestimmung, für kürzere Arbeitszeiten, für faire Löhne. Und auch 40 oder 25 Jahre Mitgliedschaft bedeuten: Nicht zuschauen – sondern handeln. Nicht schweigen – sondern die Stimme erheben. Ihr habt die IG Metall zu dem gemacht, was sie heute ist: eine starke Stimme der Beschäftigten. Uund wenn wir auf eure Wege zurückblicken, dann sehen wir auch: Nichts von dem, was heute oft selbstverständlich wirkt, ist einfach so entstanden. Der 8-Stunden-Tag? Erkämpft. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Erkämpft Urlaub, Weihnachtsgeld, Tarifverträge? Erkämpft. Mitbestimmung im Betrieb? Erkämpft. Und immer galt: Fortschritt kommt nicht von allein. Er entsteht, wenn Menschen zusammenstehen. Und genau deshalb ist diese Feier nicht nur ein Blick zurück. Sie ist auch ein Blick nach vorn. Denn die Herausforderungen heute sind groß: Wir sind konfrontiert mit der Transformation in der Metall- und Elektroindustrie. Neue Technologien verändern Arbeitsplätze oder stellen sie infrage. Globaler Wettbewerb erhöht den Druck. Krisen, Kriege und Handelskonflikte sorgen für Unsicherheit. Und viele Beschäftigte spüren das ganz konkret: Die Arbeitsbelastung steigt. Die Zukunft fühlt sich unsicherer an. Die Frage steht im Raum: „Wie sicher ist mein Arbeitsplatz morgen noch?“ Gerade in einer Zeit, in der nicht wenige Unternehmen trotz guter Gewinne Arbeitsplätze abbauen, wird deutlich: Beschäftigungssicherung steht aktuell in vielen Betrieben im Zentrum unseres Handelns. Und genau hier schließt sich der Kreis zu euch. Denn das, was damals galt, gilt heute mehr denn je: Solidarität und Zusammenhalt ist keine Erinnerung. Sie ist eine Notwendigkeit. Wenn wir über Transformation sprechen, darf das nicht heißen: Die Beschäftigten zahlen den Preis. Wenn wir über Zukunft sprechen, heißt das: Gute Arbeit muss auch morgen gute Arbeit bleiben. Wenn wir über Wandel sprechen, heißt das: Mitbestimmung muss gestärkt und nicht geschwächt werden. Eure Lebensleistung zeigt uns: Veränderung zum Besseren, Verteidigung von Tariferfolgen gelingt nur gemeinsam Daher könnt ihr stolz sagen: Wir haben einige Stürme in unserer Geschichte gemeinsam bekämpft und gewonnen. Ein sehr gutes Beispiel ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für ArbeiterInnen, die wir 1956 erkämpften - aber dazu später mehr.. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in diesem Jahr darf sich unsere Geschäftsstelle bei 328 Kolleginnen und Kollegen für viele Jahre Verbundenheit und Solidarität mit unserer IG Metall herzlich bedanken. Ihr alle seid Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mit viel Herz und vor allem mit viel Haltung! Wir beginnen unsere Zeitreise bei 75 Jahre Mitgliedschaft Wir haben heute einen Kollegen unter uns, der seit 75 Jahren aktives Mitglied unserer IG Metall ist. Und ich denke, dass dies einen herzlichen Applaus wert ist, lieber Kollege Karl Heinz Götz. 1951 war dein Eintrittsjahr. Deutschland befand sich im Wiederaufbau. Das war ein hartes Stück Arbeit. Die Städte veränderten sich. Graue und kaputte Städte wandelten sich Schritt für Schritt und wurden wieder lebenswert. Lieber Karl Heinz, geboren wurdest du im Jahr 1936 am 7. Dezember in Oberndorf. Zur Erinnerung: Der zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939. Nach deinem Schulabschluss, im Alter von 14 Jahren, war deine erste „Arbeitsstelle“ als Laufbursche bei der Fa. Kienzle in Villingen Schwenningen. Dein Verdienst betrug 40 DM im Monat, bei einer 48 Stunden und einer 6 Tage Woche. Ich denke, im Jahr 2026 nicht nur für einen 14-Jährigen völlig unvorstellbar. Dein Kollege Arthur Kanz bei Kienzle Betriebsratsvorsitzender und SPD Mitglied hat dich mit 14 Jahren in die IG Metall aufgenommen, und das war einfach so, dass die Jungen IG Metall Mitglied werden - so deine Worte. In deinen jungen Jahren hast du erfahren, dass es in nicht ganz einfachen Zeiten wichtig ist, Fürsprecher zu haben. Einen solchen hattest du mit August Weiß, deinem Betriebsleiter der - wie du sagtest - „eine Freude an dir hatte“ und sich sehr dafür einsetzte, dass du einen Ausbildungsplatz bei Feinwerkbau in Oberdorf erhalten und somit eine Ausbildung als Mechaniker beginnen und vollenden konntest. Nach deiner Ausbildung bist du zu Kienzle Apparate zurückgekehrt und wurdest mit 25 Jahren in den Betriebsrat gewählt. Es folgten Jahre des ehrenamtlichen Engagements als Betriebsrat, in der IG Metall als Mitglied des Ortsvorstandes in Schramberg sowie im Gemeinderat, in der Zwischenzeit als Mitglied der SPD. Viele Kämpfe hast du mit deiner IG Metall, mit deiner Belegschaft geführt. Insbesondere vom Engagement deiner Kolleginnen hast du mir begeistert erzählt, die mutig bei Streiks vorangingen. Deine Frau und deine vier Kinder waren in all diesen ereignisreichen Jahren stets an deiner Seite und eine wertvolle Unterstützung. Deine gewerkschaftliche Lebensgeschichte beeindruckt und bewegt gleichermaßen. Auf die Frage, warum du der IG Metall über all die Jahre treu geblieben bist, war deine Antwort, „aus Verantwortung und Pflichtgefühl“, darauf werde ich später noch zurückkommen. Von 75 zu 70 Jahren Mitgliedschaft Im Eintrittsjahr 1956 in die IG Metall war das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik in vollem Gang. Es gab kaum noch Arbeitslose. Die ersten "Gastarbeiter" aus Italien kamen im Januar 1956 nach Deutschland. Unsere italienischen Kollegen brachten neben ihrer Arbeitskraft auch neu kulturelle Einflüsse nach Deutschland. Dies begann mit kulinarischer Vielfalt wie Pizza, Pasta und Espresso und veränderte langfristig die Essgewohnheiten der Deutschen. Im Jahr 1956 habt ihr miterlebt, dass 26.000 zunächst überwiegend Werftarbeiter am 24. Oktober in Schleswig-Holstein in den Ausstand traten. Später waren es noch mehr. Den Arbeitern ging es nicht um eine Erhöhung des Stundenlohns; sie wünschten sich verbesserte Rahmenbedingungen und die Gleichstellung mit Angestellten: die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die Dauer von sechs Wochen, mehr Urlaubsanspruch und die erstmalige Einführung von Urlaubsgeld. Die Arbeiter mussten sich mit Grippe zur Arbeit schleppen, weil es keinen Lohn gab, wenn sie zu Hause blieben. Die Solidarität unter den Streikenden und ihren Familien war sehr groß. Jeder half jedem - mit Essen oder Unterkünften. Während ihre Männer im Ausstand waren, hielten die Frauen trotz vieler Entbehrungen die Familien zusammen. Im Verlauf des Streiks zeigten immer mehr Betriebe im In- und Ausland Solidarität mit den Streikenden. "Euer Kampf ist unser Kampf". Der Arbeitskampf dauerte 114 Tage (bis zum 14. Februar 1957) und gilt als der bis 1963 längste Streik in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Aus diesem Tariferfolg wurde ein Gesetz, das im Juli 1957 vom Bundestag verabschiedet wurde. Alle arbeitenden Bürgerinnen und Bürger profitieren bis heute von der sechswöchigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Außerdem erreichte die IG Metall einen Tarifabschluss, der die Senkung der tariflichen Wochenarbeitszeit von 48 auf 45 Stunden bei vollem Lohnausgleich vorsah. Und es gab ein zusätzliches Urlaubsgeld und einen längeren Urlaub. Das war einer der wichtigsten Streiks der deutschen Sozialgeschichte. Im April 1956 wurde die Arbeitslosenhilfe eingeführt. Sie wurde bis 2004 im Anschluss an das Arbeitslosengeld gezahlt. Wohnungen in den Städten wurden gebaut. Betriebe wuchsen wie Pilze aus dem Boden. Es gab viel Arbeit. Die Wirtschaft brummte, und ein Auto, sei es noch so klein, konnten und wollten sich immer mehr Menschen leisten. Der VW-Käfer, damals das beliebteste Auto, kostete knapp 4.000 Mark. 10 Jahre später, das Eintrittsjahr unserer 60 Jahre JubilarInnen sah die Welt in Deutschland völlig anders aus. 1966 hatte eine ausgewachsene schwere Wirtschaftskrise Deutschland im Zangengriff. Sie entstand durch sinkende Investitionen, steigende Lagerbestände und eine Produktionsüberkapazität. Die Krise führte zum Sturz von Kanzler Ludwig Erhard und zur Bildung der ersten Großen Koalition unter der Regierung von Kurt Georg Kiesinger. Die Wachstumsraten sanken, die Arbeitslosigkeit stieg an und das Bruttosozialprodukt ging 1967 zurück. Viele Unternehmen verließen ihre Tarifverbände, um Lohnkosten und Arbeitszeiten in ihrem Sinn flexibler gestalten zu können. Das führte zu geringeren Lohnniveaus und längeren Arbeitszeiten. Das Thema „Tarifflucht“ beschäftigt uns auch heute mehr denn je. Immer wieder steigen Unternehmen aus der Tarifbindung aus und schließen keine neuen Verträge. Arbeitgeberverbände begünstigen diesen Trend, indem sie Mitgliedschaften ohne Tarifbindung ermöglichen, was Tariffluchten noch fördert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das war ein ereignisreicher Jahrgang. Sogar die Plastikkarte mit PIN wurde erfunden - von einem Schotten. Ein Meilenstein für die Banken und deren Kunden. Heute heißt es, dass es irgendwann nur noch Plastikkarten geben wird. Nun ja, ich weiß nicht: Bezahlt wird heute schon nicht mehr mit Karten, sondern mit Uhren und Smartphones. 50 Jahre Mitgliedschaft Wir kommen nun zum Eintrittsjahr 1976. Auch dieses Jahr war von vielen politischen Umbrüchen und Ereignissen geprägt. Mao starb, und mit ihm seine Kulturrevolution, der Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren. In Südafrika gab es Aufstände gegen die Apartheid, und in Argentinien begann eine Militärdiktatur. In Deutschland blieb Helmut Schmidt nach der Bundestagswahl Kanzler der großen Koalition aus SPD und FDP. Erich Honecker wurde Staatsratsvorsitzender der DDR. Die Gurtpflicht wurde in Deutschland verpflichtend eingeführt - für die Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland eine große Veränderung, der viele zunächst sehr ungern nachkamen; es gab sogar erheblichen Widerstand. Die Hits in Deutschland 1976 waren eine Mischung aus internationalem Pop und deutschen Schlagern, dominiert von ABBA („Fernando“, „Dancing Queen“) und lokalen Stars wie Peter Alexander („Die kleine Kneipe“) und Jürgen Drews („Ein Bett im Kornfeld“). Und eigentlich wollte ich heute keine Fußballereignisse vortragen, habe mich jedoch bei der Recherche umentschieden: 1976 wurde Borussia Mönchengladbach deutscher Meister. Ja, das waren die goldenen Zeiten der Fohlenelf, die im Augenblick um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft. 40 Jahre Mitgliedschaft Wir freuen uns nun die 40er – Eintrittsjahr 1986. Eines der prägendsten Ereignisse 1986, war der Reaktorunfall in Tschernobyl, im Norden der Ukraine an der Grenze von Belarus, der einer der größten Unfälle in der Geschichte der Atomenergie. Am 26. April 1986 trat in dem ukrainischen Atomkraftwerk der Super-GAU ein. In Block 4 des Kraftwerks kam es zu einer vollständigen Kernschmelze. Durch die daraus folgenden Explosionen wurde radioaktives Material in die Atmosphäre geschleudert. Radioaktives Material kontaminierte die gesamte Umgebung und verteilte sich zusätzlich über Europa. Die Spätfolgen werden noch zehntausende Jahre bestehen bleiben. Der Reaktorunfall und weitere Unfälle, wie der Chemieunfall in Basel, der die Verschmutzung des Rheins verursacht, hatte die Gründung des Bundesumweltministeriums zur Folge. In Russland gab es 1985 Veränderungen, die die Politik ganz Europas verändern sollten. Und auch vor vier Jahren hat Russland mit seinem Krieg gegen die Ukraine ganz Europa verändert. Der brutale Angriffskrieg Putins gegen sein souveränes Nachbarland, der jeden Tag viele Opfer fordert und erhebliche wirtschaftliche Schäden - besonders in der Ukraine und weltweit - verursacht, führt dazu, dass sich Europa wirtschaftlich krisenfester aufstellt, Energieimporte aus Russland radikal zurückgefahren werden und die europäische Verteidigung deutlich ausgebaut wird. 1985 verfolgte Russland eine andere, eine menschenfreundliche Politik. Gorbatschow war Generalsekretär der KPdSU geworden. Er bekannte sich zu den politischen Fehlern der Partei seit Stalins Zeiten sowie zu den Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges. Gorbatschow ermöglichte mit „Perestroika“, dass die Länder des Warschauer Pakts ihre Staatsform fortan selbst bestimmen konnten. Die neue Freiheit führte 1989 zu einer Reihe überwiegend friedlicher Revolutionen in Osteuropa, die den Kalten Krieg beendeten, und in der Folge die „Deutsche Einheit“ für die deutsche Bevölkerung ermöglichten. 25 Jahre Mitgliedschaft Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, 2001 ist das Eintrittsjahr unserer 25 Jährigen. Das Jahr 2001 wurde vor allem durch die islamistischen Terroranschläge vom 11. September geprägt, bei denen Al-Qaida das World Trade Center und das Pentagon angriff. Dies führte zum globalen "Krieg gegen den Terror" und der Invasion Afghanistans. Wahrscheinlich haben viele von uns nicht vergessen, wo sie in dem Moment waren, als sie diese Schreckensnachricht erreichte, oder womit sie in diesem Moment beschäftigt waren. Gerhard Schröder und Joschka Fischer führten die erste rot-grüne Bundesregierung der Geschichte Deutschlands. BSE brach unter den Rindern aus, die Fleischpreise explodierten. Kanzler Schröder deutete die BSE-Krise in eine Verbraucherschutzkampagne um, inklusive neu getauftem Ministerium, und Renate Künast attestierte: "Die Kuh ist umzingelt". Der durch die BSE-Krise kurze Zeit beeinflusste Speiseplan der Deutschen führte nicht zu weniger Fettleibigkeit, aber zu mehr Leichtigkeit im Umgang mit Sprachbildern. In einer Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin in Bad Aachen zu Reduktionskost hieß es: "Das bedeutet aber keinesfalls, dass Männer ihren dicken Bauch auf die leichte Schulter nehmen dürfen...". Die deutsche Wirtschaft befand zu Beginn des Jahres 2001 wieder im Abschwung. Die flaue Weltwirtschaft sowie höhere Energie- und Fleischpreise verstärkten den Abwärtstrend. Die Verbraucher hatten weniger Geld zum Ausgeben, die Kaufkraft schwand massiv. Die Arbeitslosenzahlen stiegen durch viele Firmenpleiten, und die Steuereinnahmen schrumpften. Das hört sich fast wie die Nachrichten aus 2026 an! Erst 2004 erholte sich die deutsche Wirtschaft von der Stagnation. Es ging langsam wieder aufwärts. Bahnbrechende digitale Innovationen prägten die Welt im Jahr 2001, wie die Einführung des ersten iPod von Apple, der Musik revolutionierte, sowie iTunes, die das digitale Musikhören normalisierte. Das Online Lexikon Wikipedia startete und das Betriebssystem Mac OS X. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist viel geschehen in euren Eintrittsjahren. Es zeigt auch, dass sich vieles von dem, womit ihr in euren Eintrittsjahren konfrontiert wart, im Hier und Jetzt wiederholt. Es war alles schon einmal da - nur in anderer Form. Unsere gemeinsamen Erfolge halten noch, weil wir sie Tag um Tag verteidigen. Ganz aktuell ist wieder eine Auseinandersetzung um die Arbeitszeit entbrannt. Politik und Arbeitgeber wollen den 8-Stunden-Tag abschaffen und durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzen. Es heißt auch, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen seien faul und immer krank. Das hörten wir in den letzten Jahrzehnten immer und immer mal wieder. Liebe Jubilarinnen und Jubilare, was ihr in all den Jahren aufgebaut, verteidigt und weiterentwickelt habt, ist weit mehr als konkrete Verbesserungen im Alltag Ihr habt Werte gelebt. Solidarität, Gerechtigkeit und Verantwortung füreinander. Und genau deshalb ist eines entscheidend: Dass das, was euch geprägt hat, weitergegeben wird, weitergegeben werden muss. An eure Kinder. An eure Enkel. An die nächste Generation. Denn nichts von dem, was erreicht wurde, ist automatisch für die Zukunft gesichert. Jede Generation muss neu entscheiden, wofür sie einsteht. Wenn junge Menschen heute verstehen, warum man sich einmischt, statt wegzusehen, warum man zusammenhält, statt sich spalten zu lassen, und warum man für Gerechtigkeit kämpft, dann lebt das weiter, was ihr geschaffen habt. Dann wird aus eurer Lebensleistung mehr als Erinnerung. Dann wird sie zu einem Vermächtnis. Genau das ist es, was bleibt. Und genau das ist es, was wir weitergeben müssen. Damit die nächste Generation nicht in einer Welt aufwächst, in der alles wieder infrage gestellt wird, was ihr mit Mut, Zusammenhalt und auch mit Entbehrungen erkämpft habt. Die nächste Generation soll von Anfang an wissen: Man steht nie allein. Sie soll erkennen und wissen, dass es sich lohnt, sich einzumischen. Dass es sich lohnt, aktives Mitglied in einer Gewerkschaft, in der IG Metall, zu sein. Und gemeinsam für eine Zukunft zu kämpfen, so wie wir sie uns vorstellen. Denn eines ist sicher: Wenn wir unsere Werte weitertragen, dann sichern wir nicht nur das, was war – sondern gestalten das, was kommt. Dann bleibt eure Geschichte nicht Vergangenheit. Dann wird eure Geschichte Gegenwart und Zukunft. „Aus Verantwortung und Pflichtgefühl bin ich auch heute noch IG Metall- Mitglied“, so die Worte unseres Kollegen Karl Heinz Götz zu Beginn meiner Rede. Diese Botschaft ist eindringlich wie motivierend und steht für eure Leistung, liebe Jubilarinnen und Jubilare. Dafür möchten wir uns nochmals herzlich bedanken und euch für die Zukunft alles Gute und vor allem Gesundheit wünschen. Und jetzt, lasst uns gemeinsam schöne Stunden bei viel Spaß, guten Gesprächen und gutem Essen und Trinken verbringen.