Parteien im Dialog: Wer vertritt die Interessen der Beschäftigten?
Die Delegiertenversammlung der IG Metall Freudenstadt am 02.12.2025 war thematisch auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und die Positionen der einzelnen Parteien ausgerichtet.
Eröffnet wurde die Delegiertenversammlung in dem vollen Kinzig Haus in Loßburg von unser stellvertretenden DGB-Landesvorsitzenden Maren Diebel-Ebers und Dorothe Diehm, erste Bevollmächtigte der IG Metall Freudenstadt.
Besondere Schwerpunkte müsse man laut Maren Diebel-Ebers besonders auf die Themen Digitalisierung, Ausbau und Erneuerung der Infrastruktur und das Tariftreuegesetz legen.
Die Menschen müssen das Vertrauen in den Staat zurückgewinnen. Ein Baden-Württemberg-Fonds soll eine Investitionsoffensive ermöglichen, um den Standort Baden-Württemberg nachhaltig zu stärken und zukunftsfähig zu machen.
Die Aus- und Weiterbildung soll ebenfalls durch einen Unterstützungsfonds gestärkt werden sowie bezahlbarer Wohnraum geschaffen, das ÖPNV verlässlich gemacht werden und die Anstrengungen die Klimakrise abzuwenden verstärkt werden – für eine Lebenswerte Zukunft für alle von uns!
Dorothee Diehm knüpfte in ihrer Eröffnung direkt mit unserer IG Metall Kampagne „Zukunft braucht Menschen - Menschen brauchen Zukunft“ und den dazu gehörenden Forderungen an. Im Vordergrund der Kampagne steht die Sicherung und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Die Zukunft von Baden-Württemberg ist fest an die Industrie gekoppelt: Arbeitsplätze in der Industrie versorgen nicht nur die Menschen und Familien, die in dieser arbeiten, sondern Bäcker, Metzger, Einzelhandel und Kommunen.
Fördergelder aus dem geforderten Transformationsfonds gehen nur an diejenigen die auch hier die Standorte sichern. Die Zuwanderung von Fachkräften muss dringend erleichtert werden. Abschließend wurden den Kandidatinnen und Kandidaten der einzelnen Parteien klare Forderungen von Diehm mit auf den Weg gegeben: Machen sie Industriepolitik! Schützen sie Arbeitsplätze! Stärken sie die Mitbestimmung! Fördern sie Qualifizierung! Und sorgen sie dafür, dass Baden-Württemberg Industrieland bleibt!“
Bei dem anschließenden World-Café (Jede Partei an einem Stand, Jede Gruppe hatte 12 Minuten Zeit mit jeder Partei, um sich deren Ideen anzuhören und mit ihnen zu diskutieren) kamen folgende Kernpunkte der Parteien zur Sprache:
Bei der Linken stand die Frage im Raum, wie stark Industriepolitik beeinflusst werden kann. Zudem wurde das Tariftreuegesetz thematisiert, das von der Partei uneingeschränkt befürwortet wird. Künstliche Intelligenz solle nicht dazu dienen, Personal abzubauen und Gewinne zu maximieren, sondern allen zugutekommen. Außerdem sprach sich die Linke für den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und die Einführung einer Vermögenssteuer für Wohlhabende aus – mit dem Grundsatz: „Wir nehmen es den Reichen und geben es den Armen.“
Die FDP kritisierte die hohen Abgaben sowie die ausufernde Bürokratie. Sie fordert die Reduzierung von Regierungspräsidien und Stabsstellen, die Aufhebung des Verbrenner Verbot, mehr Technologieoffenheit und längere Fristen für die Umsetzung der Klimaziele. Das Tariftreuegesetz wird wegen des zusätzlichen Verwaltungsaufwands skeptisch betrachtet, ebenso wie das Sondervermögen des Bundes.
Die SPD verteidigte das milliardenschwere Investitionsprogramm für Baden-Württemberg und betonte, dass die Mittel zielgerichtet eingesetzt werden müssen, um den Standort zu sichern. Bezahlbare Energiepreise für alle seien ein zentrales Anliegen. Die SPD unterstützt das Tariftreuegesetz und setzt sich für eine bessere Bildung sowie den Ausbau der digitalen Infrastruktur ein. Auch ein Abbau bürokratischer Hürden sei unvermeidlich.
Die CDU thematisierte die fehlenden Mittel für bezahlbaren Wohnraum und sozialen Wohnungsbau. Kritisiert wurde, dass EU-Gelder in strukturschwache Regionen fließen und dadurch lokale Standorte benachteiligt werden. Außerdem wurde diskutiert, ob der Zukunftsfonds Baden-Württemberg auch durch privates Vermögen und Stiftungsgelder finanziert werden sollte. Die mangelhafte Ärzteversorgung war ebenfalls ein Thema. Beim Tariftreuegesetz zeigte sich Schindele zurückhaltend.
Bei Bündnis 90/Die Grünen ging es ebenfalls um das Tariftreuegesetz und die Frage, warum es auf Landesebene noch nicht umgesetzt wurde. Zudem wurde die Senkung der Ausschreibungsgrenze von 20.000 auf 10.000 Euro angesprochen. Im Bereich ÖPNV standen die Auswirkungen von „Stuttgart 21“ auf die Gäubahn im Fokus, verbunden mit der Forderung nach einem Weiterbetrieb des oberirdischen Kopfbahnhofs. Befürwortet wurde die Einführung eines Industriestrompreises. Bürokratieabbau dürfe jedoch nicht die betriebliche Mitbestimmung einschränken.
Bei der anschließenden Abfrage welches Programm am meisten überzeugt hat und unsere Gewerkschaftlichen Interessen vertritt konnte vor allem die Linke und die SPD punkten.
Am Ende der letzten Delegiertenversammlung im Jahr 2025 wurden noch unsere Kollegen Frank Kern, Armin Auer und Siggi Herbstreit aus dem Ortsvorstand verabschiedet. Danke für euren unermüdlichen Einsatz für die IG Metall und das Engagement im Ortsvorstand der IG Metall Freudenstadt!